Michael Bouteiller

 

Brief der Religionssoziologin und Jugendbetreuerin Katharina Ehrenstein vom 11. Oktober 2000 an Frau Gabriele Hiller-Ohm, damals Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck

 

Sehr geehrte Frau Hiller‑Ohm,

 

Herr Bouteiller war 12 Jahre lang Bürgermeister von Lübeck und er hat der Stadt eigentlich nur geschadet. Wenn der Hafen boomt, dann doch nicht, weil Herr Bouteiller im Auf­sichtsrat saß, sondern obwohl er dort saß. Die Häfen Hamburg und Rostock sind doch noch erfolgreicher. Das ist eine his­torische Entwicklung. Die Menschen in Lübeck haben auch nach seiner Selbstbeweihräucherung zum Abschied immer Witze ge­macht und gesagt, daß er vergessen habe zu erwähnen, daß sich der Adler auf seinen Zuspruch hin im Schellbruch ange­siedelt habe. Die Bürger haben den Show‑Menschen Bouteiller durchaus richtig interpretiert.

 

Wenn man ihm jetzt einen Beratervertrag für die LHG (Lübecker Hafen Gesellschaft, d. Verf.) andienert, dann ist ja alles klar. Dann weiß man auch, warum Sie den Posten im Aufsichtsrat innehaben und nicht der Bürgermeister Saxe. Es fügt sich alles zusammen. Auch der jammervolle Auftritt dieses Mannes bei der rechts/links Demonstration hat nur peinliches Kopfschütteln bewirkt. Ir­gendwie gelingen ihm die großen Auftritte nicht mehr und man fragt sich sowieso, was er in der Öffentlichkeit zu suchen hat. Wie unsagbar peinlich, daß er nicht abtreten kann, wie einmalig rücksichtslos dem neuen Bürgermeister gegenüber. Es scheint ja geradezu so, als ob der machtbe­sessene Mann von langer Hand sein Dasein als "graue Eminenz" der lübschen Politik geplant hat. Dieser Mann ist eine schlimme Hypothek für Lübeck und die Bewältigung seines sozial‑schädlichen Verhaltens fängt jetzt erst an. Es ist für die SPD ungemein nachteilig, daß er sich nicht benehmen kann wie andere Politiker nach ihrer Amtszeit. Der frühere Bürgermeister soll durch Erbschaft ein reicher Mann sein. Warum betreut er nicht einen Block am Pinassenweg, damit er mal sieht, wie arme Leute leben, wie gemütlich multi kulti im täglichen Leben ist. Ein bekennender "Gutmensch" sollte sowieso mitten zwischen diesen Menschen leben. Er soll vor allen Dingen aufhören, Björn Engholm zu schmälern. Er wird dadurch nicht besser und er konnte ihm nie das Wasser reichen. Björn Engholm war die große Integrationsfigur und Herr Bouteiller ist von Shakespeare schon in der Figur des Jago vorzüglich beschrieben worden.

 

gez. K. Ehrenstein