Treibhausgas Kohlendioxid – ernste Gefahr oder wieder einmal ein durch die Logen propagiertes irreales Horrorszenario zur Erzeugung einer weiteren Hysterie mit dem Endziel der globalen Machtergreifung?

Im Streit um den Klimawandel

stehen der Ozeanograf Mojib Latif, 47, und der Glaziologe Heinz Miller, 58, für zwei unterschiedliche Lager. Latif gehört zu den prominentesten War­nern vor einer men­schengemachten Er­wärmung der Erd­atmosphäre. Ihre Erkenntnisse ziehen Latif und seine Kolle­gen am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie aus Computermodellen, mit denen sie das Kli­ma der Zukunft si­mulieren. Internatio­nal bekannt wurde Latif, als er das regel­mäßig wiederkehrende Klimaphäno­men El Nino präzise vorhersagte - aus diesem Schlüsselerfolg nimmt er die Sicherheit, dass die Modelle auch für die künftige Klimaentwicklung richtige Prognosen liefern. Der Glet­scherforscher Miller hingegen, stellvertretender Direktor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, erforscht die Ge­schichte des Klimas. So hat er durch Untersuchungen an Eisbohrkernen aus Grönland gezeigt, wie stark das Klima in der Vergangenheit schon schwankte - auch ohne menschli­chen Einfluss. Millers Folgerung: Die For­schung hat die unge­heuer komplexe irdi­sche Wettermaschine noch längst nicht ver­standen. Der Glazio­loge bezweifelt deshalb, dass die Vor­hersagen der Klimamodelle wirklich zuverlässig sind. Im SPIEGEL treffen der Skeptiker Miller und der Mahner Latif erstmals öffentlich aufeinander.

 

Anmerkung: In den Text integriert sind Fotos der beiden Kontrahenten, wobei Latif mit einem eindeutigen Insidersignal (o.k.-Zeichen) abgebildet ist!

 

 

Das Streitgespräch moderierten die Redakteure Johann Grolle und Olaf Stampf.

 

SPIEGEL: Herr Miller, Herr Latif, ganz Deutschland fragt sich, wie es zu den ver­heerenden Überschwemmungen kommen konnte. Ist die einsetzende globale Erwär­mung schuld?

Miller: Mit dem Treibhauseffekt hat die Flutkatastrophe nichts zu tun. Die Über­schwemmungen in Norditalien oder Sachsen sind darauf zu­rückzuführen, dass die atlan­tischen Tiefdruckgebiete in diesem Sommer anders als sonst bis zum Mittelmeer zo­gen. Dort saugten sie sich wie ein Schwamm mit feucht-war­mer Mittelmeerluft voll - so kam es zu den extremen Regenfällen. Solche ungewöhnlichen Wetterlagen hat es immer | schon gegeben, auch in kühleren Zeiten. Doch früher konnten wir ähnlich starken Sturzregen viel besser verdauen, weil die Flüsse noch nicht so kanalisiert wa­ren. Insofern ist die Überschwemmungs­katastrophe natürlich doch Menschen­werk.

Latif: Aus Einzelereignissen wie der ge­genwärtigen Regenkatastrophe können in der Tat keine langfristigen Trends abgelei­tet werden. Das ist wie mit einem gezink­ten Würfel: Wenn Sie damit einmal eine Sechs würfeln, beweist das gar nichts. Aber wenn Sie immer wieder Sechsen würfeln, merken Sie, dass etwas faul ist. So ist es mit extremen Wetterphänomenen auch. Des­halb müssen Sie stets längere Zeiträume untersuchen.

SPIEGEL: Und ist das Klima schon gezinkt?

Latif: Es sieht so aus. Wir beobachten, dass die Anzahl extremer Wetterereignisse in den letzten Jahrzehnten stark zugenom­men hat. Ungewöhnlich starke Nieder­schläge kommen in Deutschland beispiels­weise heute doppelt so häufig vor wie noch vor 100 Jahren. Das kann man mit Mess­reihen seit 1879 in den Alpen exakt nach­weisen. So etwas sind schon gravierende Änderungen, die mehr Aussagekraft ha­ben als einzelne Unwetter.

SPIEGEL: Eine seltene Verlagerung som­merlicher Tiefdruckgebiete zum Mittel­meerraum war auch für das Oder-Hoch­wasser verantwortlich. Das ist gerade erst fünf Jahre her. Müssen wir jetzt häufiger mit Jahrhundertfluten rechnen?

Latif: Ja. Aus unseren Modellen ergibt sich eindeutig, dass die Wahrscheinlichkeit ex­tremer Niederschläge weiter zunehmen wird. Denn bei einem wärmeren Klima verdunstet einfach mehr Wasser in die Atmosphäre.

Miller: Aber wir sollten uns davor hüten, aus der Erwärmung der letzten hundert Jahre voreilige Schlüsse zu ziehen. Dazu müssten wir die klimatische Entwicklung der letzten 1000 oder gar 10.000 Jahre ge­nauer als bisher kennen. Nur dann könn­ten wir wirklich nachweisen, ob die beob­achtete Erwärmung schon außerhalb der natürlichen Bandbreite liegt oder nicht. Dieser Beweis steht noch aus.

Latif: Das sehe ich anders. Sicherlich traten immer schon heftige Klimaschwankungen auf, egal, ob es Menschen gab oder nicht. Auch über die letzten Jahrtausende gab es gravierende Klimaveränderungen, etwa die Kleine Eiszeit vor 1850 oder die mittelal­terliche Warmperiode. Aber nach allem, was wir wissen, sind die vergangenen zehn Jahre auf der Nordhalbkugel die wärmsten der letzten 1000 Jahre. Und niemals ging es so schnell mit der Temperatur nach oben.

SPIEGEL: Warum sind Sie so sicher, dass es dafür keine natürliche Erklärung gibt?

Latif: Klimaschwankungen können ver­schiedenste Gründe haben: Vulkanaus­brüche, zyklische Schwankungen der Sonnenaktivität oder eben die vom Menschen in die Luft ge­blasenen Treibhausgase. Wir haben nun herausgefunden, dass jede dieser Ursachen ei­nen charakteristischen Finger­abdruck im Klimageschehen hinterlässt. So erzeugt der Sonneneffekt ein völlig anderes Muster als der Treibhauseffekt. Auf diese Weise können wir auseinander dividieren, welche Ursache welchen Anteil an der gegenwärtigen Erwärmung hat. Auf Grund unserer Analysen gehen wir davon aus, dass die Schwankungen der Sonnenaktivität nur für ein Drittel der globalen Erwärmung verantwortlich sind. Der dominierende Faktor ist der Mensch.

Miller: So klar und eindeutig, wie Sie es hier darstellen, ist der Fingerabdruck des Menschen noch nicht zu erkennen. Alle Computermodelle, mit denen das Klima simuliert wird, sind nach wie vor sehr un­vollkommene Abbilder der Wirklichkeit. Wir haben viele Wechselwirkungen noch gar nicht richtig verstanden. So können auch rein zufällige Muster in den Modellen entstehen. Schon früher tauchten in den Si­mulationen überraschend regionale Be­sonderheiten wie Dürren auf, die dann ebenso plötzlich verschwanden, wenn die Computer mit zusätzlichen Daten gefüt­tert wurden. Wir hantieren immer noch mit sehr weichen Daten, um das ungeheu­er komplexe System Klima im Computer nachzubilden. Es freut mich, dass wenigs­tens der Einfluss der schwankenden Son­nenaktivität inzwischen in den Modellen berücksichtigt wird. Vor zehn Jahren hat­ten die Modellierer diesen Faktor noch völ­lig außer Acht gelassen.

Latif: Es wird leider immer der Eindruck er­weckt, als würden unsere Klimamodelle laufend neue Vorhersagen ausspucken. Das ist jedoch nicht der Fall. Wir nehmen ja immer neue Prozesse mit hinein. Aber trotz aller Verfeinerungen bleibt das Er­gebnis bisher stets das Gleiche: Die Erdatmosphäre wird sich in den nächsten 100 Jahren um etwa drei Grad erwärmen. Die­se Stabilität der Modelle macht uns so si­cher, dass die Vorhersagen auch so ein­treffen werden.

SPIEGEL: Herr Miller, wo liegen derzeit noch die Hauptschwächen der Klimamodelle?

Miller: Ein ungelöstes Problem sind die Wolken. Werden diese in einer sich erwär­menden Atmosphäre eher zu einer Ab­kühlung oder gar zu einer zusätzlichen Erwärmung beitragen? Auch die hydrologischen Prozesse sind noch nicht richtig verstanden. So sagen die Klimamodelle ei­gentlich voraus, dass sich die Polarregionen besonders stark erwärmen. Doch zumin­dest in der Antarktis beobachten wir genau das Gegenteil: eine Abkühlung.

Latif: Auch die aktuellen Klimamodelle sa­gen durchaus voraus, dass sich die nördli­che Hemisphäre stärker erwärmen wird als die südliche. Insofern sehe ich da gar kei­nen großen Widerspruch. Doch ich will gar nicht bestreiten, dass die Modelle noch Schwächen haben. Den entscheidenden Test haben sie aber bestanden: Sie geben bekannte Ereignisse der Klimageschichte zutreffend wieder.

SPIEGEL: Welche zum Beispiel?

Latif: Vor 6000 Jahren verwandelte sich die bis dahin grüne Sahara schlagartig in eine Wüste. Ursache für diese Dürre war offen­bar, dass sich die Bahn der Erde um die Sonne geringfügig änderte. Spaßeshalber haben wir in unserer Klimasimulation die Sonneneinstrahlung einmal auf den frühe­ren Stand zurückgestellt. Und siehe da: Die Sahara wurde grün. Solche Überprüfun­gen der Modelle hat es viele gegeben, wir verbringen einen Großteil unserer Arbeit damit. Die Tests verliefen überwiegend po­sitiv. Warum also sollten unsere Modelle ausgerechnet für die nahe Zukunft ein völ­lig falsches Bild liefern?

SPIEGEL: Herr Miller, ist Ihnen all das nicht Beweis genug?

Miller: Nein. Es mag ja stimmen, dass die Zu- und Abnahme der Sonneneinstrah­lung nicht mehr ausreicht, um die Erwär­mung zu erklären, die wir gegenwärtig be­obachten. Aber wer sagt uns denn, dass nur der Mensch als Übeltäter in Frage kommt? Auch in den letzten 10.000 Jahren gab es zyklisch wiederkehrende Klima­schwankungen, die wir bis heute nicht recht erklären können. Anhand von Bohr­kernen aus dem Grönlandeis versuche ich mit meinem Team, die Klimageschichte zu rekonstruieren. Dabei fanden wir heraus, dass es einen 900-jährigen Zyklus mit kühleren und wärmeren Phasen gibt. So konnten die Wikinger um 1000 nach Chris­tus ganz gemütlich auf Grönland leben - doch einen von Kraftwerken und Autos verursachten Treibhauseffekt gab es da­mals bekanntlich noch nicht. Genauso eine Warmzeit erleben wir jetzt wieder. Der derzeitige rasche Temperaturanstieg könn­te deshalb - mindestens teilweise - auf noch unbekannte Ursachen zurückzufüh­ren sein. Im Klimasystem gibt es offenbar innere Schwingungen, die wir bislang nicht erklären können.

Latif: Unbestreitbar verändert sich das Kli­ma in langfristigen Zyklen, die nicht auf äußere Einflussfaktoren wie die Sonne oder den Menschen zurückgehen. Wenn wir mit unseren Computern extrem lange Zeiträume simulieren, taucht in den Mo­dellen tatsächlich sogar eine 1000-jährige Schwankung auf. Doch die Temperaturen veränderten sich in der Vergangenheit stets viel langsamer als heute. Nie zuvor in der Menschheitsge­schichte ist ein Klimawandel so schnell vorangeschritten wie in den letzten 100 Jahren.

Miller: Das kann aber auch ein­fach daran liegen, dass aus der Vergangenheit nicht ausrei­chend genaue Klimadaten vor­liegen. Vor 1000 Jahren gab es leider noch kein Netz aus Mess­stationen. Immerhin haben wir Hinweise, dass es in der Ver­gangenheit sehr wohl zu sehr plötzlichen Erwärmungen kam. Latif: Sie haben völlig Recht, es gab auch in der Vergangenheit rasche Klimawechsel; vor allem am Ende der letzten Eiszeit ging es mit den Temperaturen heftig rauf und runter. Aber das ist sehr lange her. Dann, vor 10.000 Jahren, hat sich das Klima be­ruhigt. Vor allem in den letzten 1000 Jah­ren war es ungewöhnlich stabil. Und aus­gerechnet im 20. Jahrhundert, in dem die Konzentration von Kohlendioxid in der At­mosphäre gewaltig zunahm, macht das Kli­ma nach langer Ruhepause einen bislang einmaligen Sprung. Glauben Sie im Ernst, dass dies ein Zufall ist?

Miller: Zugegeben, viele Indizien sprechen dafür, dass der vom Menschen verursach­te Treibhauseffekt tatsächlich schon zur globalen Erwärmung beigetragen hat und wohl noch weiter beitragen wird. Doch wie hoch genau der Temperaturanstieg am Ende ausfallen wird, steht noch nicht fest. Es ist ebenso möglich, dass wir nur eine leichte Erwärmung bekommen. Wir unter­nehmen ein Experiment mit ungewissem Ausgang ...

Latif: ... ein Experiment mit nur teilweise ungewissem Ausgang. So kommt in allen Klimasimulationen eindeutig heraus, dass in Zukunft häufiger extreme Niederschlä­ge auftreten werden - und zwar selbst dort, wo es, wie im Mittelmeerraum, an sich so­gar trockener wird. In Nordeuropa wird es sogar insgesamt feuchter werden. Außerdem werden wir im Winter mehr Stürme mit hohen Windgeschwindigkeiten be­kommen - allerdings wird sich dieser Trend frühestens ab 2050 bemerkbar machen.

SPIEGEL: Eine Abteilung der Münchener Rückversicherung, die sich mit der Aus­wertung von Naturkatastrophen beschäf­tigt, hat vergangene Woche eine alarmie­rende Karte veröffentlicht. Darauf ist ver­zeichnet, in welchen Regionen Mitteleuro­pas künftig verstärkt mit Überschwem­mungen, Gewittern oder Stürmen gerech­net werden muss. Wie zuverlässig sind solche kleinräumigen Klimaprognosen?

Latif: Ich würde eine solche Katastrophen­karte nicht herausgeben. Für genaue re­gionale Klimavorhersagen reicht selbst die Rechenkapazität der schnellsten Super­computer nicht aus. Für einen Raum von 2000 mal 2000 Kilometern anzugeben, wo es mehr Blitze, Stürme oder Dürren geben wird, halte ich für sehr überzogen.

Miller: Da stimme ich Ihnen zu. Das ist ein typisches Beispiel für Panikmache. So wird den Leuten nur unnötig Angst eingejagt.

Latif: Verharmlosung ist aber genauso ver­kehrt. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Ich spreche bewusst nie von einer Klimakatastrophe, sondern von einem Klimawan­del. Wie gefährlich man die Er­wärmung und deren Folgen fin­det, muss jeder mit sich selbst ausmachen.

SPIEGEL: Viele Menschen be­zweifeln inzwischen, dass eine Klimaveränderung zwangsläu­fig eine Bedrohung darstellt. Müssen wir eine Erwärmung wirklich fürchten?

Miller: Ein Wandel des Klimas lässt sich ohnehin nicht vermei­den, das ist ein völlig normaler Vorgang - auch in Zukunft. Mich stört deshalb der Begriff Klimaschutz: Das weckt die falsche Erwartung, der Mensch könne dafür sorgen, dass das Klima genauso bleibt, wie es heute ist. Das wird nicht mög­lich sein. Der Mensch wird immer gezwungen sein, sich an Klimaverände­rungen anzupassen. In der Vergangen­heit kam es in solchen Fällen zu Völker­wanderungen. Unser Problem heute ist nur, dass eine wachsende Weltbevölkerung immer weniger solche Ausweichmöglich­keiten hat.

Latif: Sicherlich ist ein Klimawandel etwas vollkommen Natürliches. Den wird es im­mer geben, und den können wir auch gar nicht beeinflussen. Nur sollte der Mensch nicht eigenhändig an der globalen Wetter­maschine herumfummeln - und zwar un­abhängig davon, wie groß der Schaden am Ende wirklich ist, den er dabei anrichtet. Wenn es so kommt, wie unsere Modelle es vorhersagen, werden wir mit Rasanz einen Temperaturanstieg kriegen, der einmalig wäre in der Menschheitsgeschichte. So et­was hat es jahrhunderttausendelang nicht gegeben. Die Gesellschaft hat nicht mehr viel Zeit, um zu entscheiden, ob sie die­ses Experiment einfach so weiterlaufen las­sen will.

SPIEGEL: Herr Latif, Herr Miller, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 

Quelle: DER SPIEGEL 34 / 2002 / 48 – 50 („Kann das noch Zufall sein?“)

 

 

 

Treibhausgas im Boden

 

Freigesetztes Kohlendioxid aus den Böden der Erde könnte schon ab Mitte des Jahrhunderts den Klimawandel beschleunigen. Das zeigen Modellrechnungen einer Forschergruppe um Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgen­forschung. Die Wissenschaftler simulierten mit einem „Biosphärenmodell“, wie Böden und Vegetation auf die Klimaänderung reagieren werden. „In drei von fünf Klimaszenarien, die wir durchgerechnet haben, werden die Böden künftig weit mehr Kohlendioxid abgeben, als sie in Form von Kohlenstoff binden“, sagt Lucht. Während Erdreich und Pflanzen zusammen derzeit jährlich in der Bilanz etwa eine Milliarde Tonnen Kohlenstoff schluckten, könnten die Böden dann bis zum Dop­pelten dieser Kohlenstoffmenge als Kohlendioxid in die Atmosphäre freisetzen - ein erheblicher Beitrag zum Klimawandel, der zurzeit zum großen Teil durch die Verteuerung fossiler Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle angeheizt wird. Die Trend­umkehr droht laut Lucht als „Bumerang-Effekt“ der Erwärmung selbst: Steigt die Temperatur, beschleunigt sich der mikrobielle Abbau des abgestorbenen Pflanzen­materials im Boden. Dabei wird jedoch vermehrt Kohlendioxid frei, das wiederum zur Erwärmung beiträgt.

 

Quelle: DER SPIEGEL 17 / 2005 / 162

 

 

»Kohlendioxid (C02) ist der Hauptverursacher des Treibhauseffektes«

Vor allem anderen gilt es einen grundlegenden Irrtum auszuräumen: Der Treibhauseffekt ist nichts Unnatürliches, sondern Voraussetzung für das Leben auf der Erde. Ohne diesen Effekt würden hier statt im Schnitt etwa 15 Grad plus arktische 18 Grad minus herrschen.

Wie kommt der Treibhauseffekt zustande? Wasserdampf, aber auch Spurengase wie C02 lassen die kurzwellige Sonnenstrahlung fast voll­ständig durch die Atmosphäre zur Erdoberfläche dringen. Die von der Erde reflektierte, langwellige Strahlung wird hingegen nicht mehr voll­ständig hinaus gelassen und gleichsam eingefangen. Ergebnis ist ein für den Menschen wohltemperierter blauer Planet, der wahrscheinlich ziemlich einmalig ist. Die atmosphärische Hülle der Erde wirkt, kurz gesagt, wie die Scheiben eines Gewächshauses - daher der Ausdruck »Treibhaus«. Der Hauptteil dieses natürlichen Treibhauseffektes geht auf den Wasserdampf in der Atmosphäre zurück. Wenn die Erde also statt minus 18 Grad (ohne Treibhauseffekt) plus 15 Grad warm ist, er­gibt sich durch den Treibhauseffekt insgesamt eine Erwärmung von 33 Grad. Der Wasserdampf und die verschiedenen Spurengase sind daran wie folgt beteiligt: (H. Hug, Der tägliche Öko-Horror, 1997)

Substanzen                   Anteil am
              Treibhauseffekt

Wasserdampf                20,6 Grad

Kohlendioxid (C02)      7,2 Grad

Ozon             2,4 Grad

N20 (Lachgas)                1,4 Grad

Methan          0,8 Grad

andere Spurengase       0,6 Grad

zusammen                    33,0 Grad

 

Wie kann aber unter diesen Umständen C02 zum »Hauptverursacher des Treibhauseffekts« werden? Der »volkspädagogische Trick«, so der Chemiker und Buchautor Dr. Heinz Hug, besteht nun darin, daß man in der Klimadiskussion den Effekt des Wasserdampfes einfach mit Null(!) ansetzt und von einem zusätzlichen Treibhauseffekt spricht. Das sieht in Zahlen dann so aus:

 

Spurengas

allgemeiner

zusätzlicher

 

Treibhauseffekt

Treibhauseffekt

Wasserdampf

62,0%

0(!)%

Kohlendioxid

22,0%

57,9 %

Ozon

7,0%

18,4%

l\l20 (Lachgas)

4,0 %

10,5 %

Methan

2,5 %

6,6%

andere Spurengase

2,5 %

6,6 %

Die separate Betrachtung eines zusätzlichen Treibhauseffektes läßt den Einfluß des C02 optisch von 22 auf 57,9 Prozent steigen (dabei wird der Hinweis »zusätzlich« nicht selten einfach weggelassen). Der entschei­dende Einfluß des Wasserdampfes wird von den Klima-Modellierern oft unter dem Begriff »Wolken-Rückkoppelungs-Mechanismus« ge­führt. Und dahinter steckt eine der großen Fragen der Klimadiskus­sion: Verstärkt er die Wirkung des C02) oder schwächt er sie ab? Der Zusammenhang ist bis heute weder richtig verstanden worden, noch kann er in den Klimamodellen zufriedenstellend simuliert werden. Das heißt, der Wasserdampf hat bei weitem den größten Einfluß auf den Treibhauseffekt und ist in seinen Wechselwirkungen mit den anderen Treibhausgasen zugleich die größte Unbekannte.

Quelle: „Lexikon der Öko-Irrtümer. Fakten statt Umweltmythen“ von Dirk Maxeiner / Michael Miersch, München 2002, S. 149 f