Braune CDU
Gefolgsleute Hitlers immer noch im öffentlichen Dienst
»Welcher Geist herrscht am
Verwaltungsgericht Schleswig?« fragte der DKP‑Bezirksvorstand Schleswig‑Holstein
nach dem empörenden Verwaltungsgerichtsurteil gegen die vom Berufsverbot
betroffenen Lehrer Sabine Kachholz, Madeleine Schulz‑Brammer, Bernd Göbel
und Reinhard Winkler.
Die abgelehnten Bewerber für
den Schuldienst böten nicht die Gewähr, "jederzeit für die freiheitliche
demokratische Grundordnung einzutreten" behauptete das Gericht. Ihnen
fehle die Eignungsvoraussetzung für den öffentlichen Dienst. Welche
Eignungsvoraussetzung, so fragte die DKP, haben aber jene einstigen
Gefolgsleute der Hitlerischen Gewaltpolitik mitgebracht als sie wieder in den
öffentlichen Dienst eingestellt wurden?
Unter ihnen befinden
sich folgende Beamte:
Leitender Ministerialrat
Werner Rhode, heute Leiter der Allgemeinen Abteilung im schleswig‑holsteinischen
Justizministerium. Früher: Staatsanwalt beim Sondergericht Prag. Er wird in der
Kriegsverbrecherliste der CSSR unter der Nr. A 38‑88 geführt. Rhode
beantragte in Prag rund 110 Todesurteile gegen tschechoslowakische Bürger.
Schon 1962 wurde von der damaligen CDU‑Regierung Lemke erklärt, die
frühere Tätigkeit Rhodes sei bekannt. Es sei nicht daran gedacht, ihn aus seinem
Amt zu entlassen.
Dr. Josef Domabyl, heute
Direktor des Landesbesoldungsamtes, das dem Innenministerium untersteht. Er
gehört im Verband der Sudetendeutschen Landsmannschaften zu den aktivsten
Hetzrednern gegen die sozialistischen Länder und gegen eine Politik der Verständigung.
Früher gehörte Dr. Domabyl der NSDAP‑Leitung im besetzten Prag an. Er
hatte führende Funktionen in der Protektoratsverwaltung inne.
Dr. Heinz Sander, Präsident
des Schleswig‑Holsteinischen Verwaltungsgerichts in Schleswig, jenem
Gericht, das heute über Nichteinstellung oder Entlassung von DKP‑Mitgliedern
im öffentlichen Dienst entscheidet. Dr. Sander war Mitglied der NSDAP und der SA
und lange Zeit Regierungsrat beim Reichsstatthalter in Posen.
Ernst Ehlers, Vorsitzender
Richter am Verwaltungsgericht Schleswig. Schon 1938 war er im Reichssicherheitshauptamt
tätig. Während des Krieges war Ehlers Leiter der Staatspolizeistelle in
Liegnitz, 1941 Beauftragter des Chefs der Sicherheitspolizei für Belgien und
Nordfrankreich.
Dr. Herbert Spillner, Vorsitzender
Richter am Landessozialgericht in Schleswig. Früher Staatsanwalt beim
Sondergericht Dresden.
Günther Burmeister, heute
Oberlandesgerichtsrat in Schleswig. Früher: SS‑Obersturmführer beim SS‑Gericht.
Dort Chef des Amtes 3.
Dr. Harro Petersen,
Vizepräsident des Landgerichts Flensburg. Früher: Staatsanwalt für politische
Strafsachen in Kattowitz (Polen).
Kurt Martens, Vizepräsident
des Landgerichts Kiel. Früher: Landgerichtsrat beim Sondergericht Kiel.
Professor Dr. Georg von Rauch,
Universitätsprofessor in Kiel. Er lehrt osteuropäische Geschichte. In der
Nazizeit war er von 1943 bis 1945 Dozent an der Reichsuniversität Posen. Rauch
schrieb Artikel in NS-Zeitungen, in denen er sich vornehmlich als
Rassenideologe hervortat. Titel von Artikeln aus der Feder von Rauchs: »Eine
Polemik zur Judenfrage in Kurland« (1941), »Zur Judenfrage in Rußland« (1941).
Im Archiv der Universität Posen findet sich ein Lebenslauf von Rauchs, in dem
dem es heißt: »Nachdem ich in den Jahren 1928/29 im Reich an Versammlungen der
NSDAP teilgenommen hatte, schloß ich mich 1933 der nationalsozialistischen
Bewegung in Estland an und habe mich am Aufbau der Ortsgruppe Dorpat beteiligt.
Ich gehörte zur Kreisleitung Dorpat und war zeitweilig ‑ noch ehe die
Bewegung legal arbeiten konnte ‑ stellvertretender Kreisleiter in Dorpat.
Als Parteianwärter habe ich mich 1939 am Aufbau der Parteiorganisation in Posen
beteiligt und bin Presseamtsleiter einer Posener Ortsgruppe. Außerdem bin ich
Mitglied des NS‑Dozentenbundes und des NS‑Altherrenbundes.«
Prof. Dr. Theodor Wilhelm, als
emeritierter Professor im Prüfungsausschuß für das Lehramt an höheren Schulen
in Schleswig-Holstein tätig. Viele Jahre hindurch Direktor des Instituts für
Pädagogik an der Christian‑Albrechts‑Universität. Wilhelm trat wie
Rauch für Hitlers Rassenideologie ein. 1944 forderte er in einem Artikel "Judentum
und Freimaurerei gänzlich aus dem nationalen Leben auszusperren ... Die
grundlegende Bedeutung dieser Tatsache für das europäische Geistesleben liegt
auf der Hand. Sie wird noch dadurch unterstrichen, daß sich, je länger der
Krieg dauert, um so unheimlicher der innere Zusammenhang zwischen dem jüdischen
Weltbild und der vom Bolschewismus angestrebten Weltordnung offenbart".
(Aus der Schrift: »Die kulturelle Kraft Europas im Kriege«.)
Auch im höheren Polizeidienst befinden
sich noch immer Altnazis. Beispielsweise wurden im Jahre 1974 zu Bezirks‑Hauptkommissaren
ernannt: der Leiter der Polizei‑Inspektion Schleswig, Albert Lange (NSDAP‑Nr.
3601181) und der Leiter der Polizei‑Abteilung Wedel, Erich Runge, die
beide als SS‑Offiziere an der Besetzung der Tschechoslowakei teilnahmen.
Auch der Leiter der Polizei‑Inspektion Lübeck‑Süd, Polizei‑Direktor
Tobien (NSDAP‑Nr. 2272617), früher SS-Sturmbannführer, Kommandeur der
Flakabteilung des V. SS-Gebirgskorps, darf ungestört weiterwirken.
Sie alle und viele mehr gelten
der Landesregierung als Hüter der Verfassung. Sie erfüllten die
»Eignungsvoraussetzungen« für den öffentlichen Dienst. Die Extremisten von
damals brauchen von der CDULandesregierung nichts zu befürchten. Sie konnten
im Gegenteil den Geist mitprägen, der heute in Regierung, Polizei und Justiz
herrscht.
Quelle: "Schwarzbuch CDU-Politik in Schleswig-Holstein" Eine
Dokumentation der DKP