Israel-Lobby (2)

 

Die Position des endzeitlichen Evangelismus ist beeindruckend. Trotzdem: Weit mehr als irregeleitete Christen sind es einflussreiche, mit der politischen Rechten in Israel nahverbundene Juden, die dem langfristigen Kalkül des Chassidismus in den Vereinigten Staaten dienlich sind.

 

"Amerikanische Juden, die leidenschaftlich Israel unterstützen, sind in Stellungen von nie dagewesenem Einfluß in den USA und haben über fast jedes Segment unserer Kultur und unseres politischen Körpers Stellen als Entscheidungsträger eingenommen oder angenommen", bemerkt Jeffrey Blankfort. Der kalifornische Analytiker, selbst von hebräischer Herkunft, geht so weit Washington als "der Zionisten wichtigstes besetztes Gebiet" zu bezeichnen. < span>(JEFFREY BLANKFORT, Occupied Territory ‑ Congress, the Israel Lobby and Jewish Responsibility, City Lights Review, "War after War", 1992, City Lights Books) Tatsächlich wurden und werden viele der zur Meinungsbildung in den US‑Führungsetagen eingebundenen Think Tanks mit Mitteln aus Nahost aufgebaut. Und: Der die Politik des Landes maßgeblich bestimmende Medien‑ und Finanzsektor befindet sich zum überwiegenden Anteil in den Händen von Juden, welche gerade dem Likud‑Zionismus aufgeschlossen gegenüberstehen. "Die Masse des organisierten US‑Judentums ist in ihren Ansichten totalitär, chauvinistisch und militaristisch", urteilte unlängst Israels führender Bürgerrechtler Professor Israel Shahak. Um fortzufahren: "Wegen seiner Medienkontrolle bleibt das aber den anderen Amerikanern verborgen, doch israelische Juden nehmen Notiz davon. So lange das organisierte US‑Judentum geschlossen zusammensteht bleibt dessen Kontrolle über die Medien und die Politische Macht unangefochten." [ISRAEL SHAHAK, Open Secrets: Israeli Nuclear and Foreign Policies, Pluto Press, London 1997: ( S. 139)] Kaum weniger drastisch legt der Journalist Israel Shamir aus Tel Aviv nach, solange das Weiße Haus der starken Israel‑Lobby nicht Einhalt gebiete, "wird Amerika für immer auf seinem Weg nach Armageddon zwischen Likud und Meretz aussuchen müssen." [ISRAEL SHAMIR, Der Schatten von Zog. Exegese eines Besson‑Films, http://www.israelshamir.net/english/shadowofzog.html]

 

Israels Premier Ariel Scharon umriß diese bilaterale Schieflage am Rande des 11. September mit dem trockenen Statement: "Wir, die jüdische Nation (the jewish people), kontrollieren Amerika, und die Amerikaner wissen das." [WASHINGTON REPORT ON MIDDLE EAST AFFAIRS, 10.10.2001 mit Bezug auf die israelische Radiostation KOL YISRAEL] Tatsächlich ist sich das politische Establishment der Vereinigten Staaten seiner Abhängigkeiten voll bewußt. Selbst ein zu vorsichtiger Diplomatie verpflichteter Mann wie der in Tel Aviv akkreditierte US‑Botschafter stellte lakonisch fest: "Früher glaubte man, Israel sei ein Bundesstaat der USA. Heute glaubt man, die USA sei ein Bundesstaat Israels." [DER SPIEGEL vom 4. Januar 1971]

 

Prominente Stellungnahmen dieser Art können vor allem auf dem Militärsektor zur genüge gebracht werden. Als sich die Vereinigten Staaten auf dem Höhepunkt des Yom‑Kippur Krieges wieder einmal entgegen ihrer eigenen strategischen und wirtschaftlichen Interessen an die Seite Israels stellten, erklärte dies der Vorsitzende des US-amerikanischen Senatsausschusses für Auswärtige Politik, Senator James William Fulbright, am 12, Oktober 1973 mit den schlichten Worten: "Israel beherrscht den Senat." [So der Kongreßabgeordnete PAUL FINDLEY in seinem Buch "They dare to speak out: People and Institutions Confront Israel's Lobby. Chicago: Lawrence Hill Books, 1989, S. 66] In der CBS‑Sendung "Face the Nation" präzisierte der liberale Senator, daß zwei Drittel seiner Senatskollegen von einer zionistischen Clique bestochen seien und blind deren Willen ausführten. (CBS, "Face the Nation" 7.10.1973 sowie TIME, 5. 4. 1976: S.87) Wenig später machte der amerikanische General George S. Brown ‑ seines Zeichens Kommandeur der Armee, Luftwaffe und Marine in Personalunion ‑ darauf aufmerksam, daß die Dinge im Gesamtparlament seiner Heimat kaum anders standen. Mitte November 1974 meldeten die Medien: "Amerikas Generalstabschef George Brown hat den nach seiner Meinung zu großen Einfluß Israels auf den Kongreß in Washington öffentlich beklagt. General Brown in einem Telefongespräch mit der 'Washington Post': "Dieser Einfluß ist so stark, daß Sie es nicht glauben würden. Die Israelis kommen zu uns, um Ausrüstungen zu erhalten. Wir sagen, wir können den Kongreß unmöglich dazu bewegen, ein solches Programm zu unterstützen. Sie sagen, 'zerbrecht Euch über den Kongreß nicht den Kopf. Euren Kongreß übernehmen wir schon'. Nun sind das Leute aus einem anderen Land. Aber sie können das machen." Der ranghöchste General der Vereinigten Staaten warnte in diesem Zusammenhang vor der Gefahr, daß die amerikanische Bevölkerung im Falle eines neuen arabischen Ölembargos Schritte unternehmen könnte, um 'den jüdischen Einfluß in diesem Lande zu vermindern und jene Lobby zu brechen.' (WASHINGTON POST, 13.11.1974 sowie MÜNCHNER MERKUR, 14.11. 1974)

 

Ebenso dachte Browns Kollege, Ex‑Generalstabschef und 4‑Sterne Admiral Thomas Moorer, als die Israelis ihm mit sich ständig erhöhenden Forderungen gegenübertraten, die dann am Ende von Washington abgesegnet wurden. Nicht zuletzt mit Blick auf eine von der Israel‑Lobby nahezu gleichgeschalteten Presselandschaft, verlautbarte er 1984: "Wenn das amerikanische Volk verstehen würde, wie effektiv diese Leute ‑ die Zionisten unsere Regierung in der Hand halten, würden sie sich mit Waffen erheben. Unsere Bürger haben keine Ahnung von dem, was vor sich geht." [RICHARD H. CURTISS, A Changing Image: American Perceptions of the Arab-Israeli Dispute. American Educational Trust, 1986, S. 267]

 

Bände spricht die ethnische Verteilung in der für die militärische Außenpolitik so wichtigen Geheimdienstwelt Amerikas. "Juden besetzen Spitzenpositionen in den US‑Geheimdiensten" schreibt die JERUSALEM POST. "Alleine in der CIA, haben Juden Geheimdienstquellen zufolge vier der sieben Direktorenposten inne, und die Agency wird von John Deutch geführt, einem Direktor, den ein israelische Geheimdienstler als "dermaßen traditionell in seinem jüdischen Äußeren" beschreibt, "dass er tatsächlich eine Kippa (die Kopfbedeckung der Orthodoxen) trägt." (Dan Rodan, Not Forgiven, Not Forgotten, JERUSALEM POST, 30.8.1996)

 

Scharons Wertung zeigt, dass die israelitische Macht ungebrochen und keineswegs nur auf den militärischen Sektor beschränkt ist. Fast die Hälfte der amerikanischen Regierungsmitglieder besitzen heute doppelte Staatsangehörigkeit, sind also gleichzeitig Amerikaner und Israelis. [It. Viktoria Waltz, Dozentin an der Universität Dortmund] Als weltanschaulich geschlossener, aktiver Kern dieser Gruppe sind die sogenannten Neokonservativen herauszuheben, die mit Bush junior zur Macht gelangten. Die Führer dieses endzeitimperialistischen Netzwerks: Paul Wolfowitz, Lewis Libby, Richard Perle und Abram Shulsky. Paul Wolfowitz ist stellvertretender Verteidigungsminister, Lewis Libby ist Stabschef und Sicherheitsberater von Vizepräsident Cheney, Richard Perle, der Ex‑Staatssekretär im Verteidigungsministerium, wirkte unter Bush jun. als Vorsitzender des Verteidigungspolitischen Beirats (Defense Policy Board) des Pentagon, Abram Shulsky führt ebendort unter dem Staatssekretär für politische Angelegenheiten die von Wolfowitz neu eingerichtete Geheimdienstabteilung. Der gesamte Personenkreis hat Beziehungen zu Israels Likudblock. Er eichte die Politik des amerikanischen Präsidenten auf Weltherrschaftsstreben in den Amtszimmern des Weißen Hauses. Und am Rande von überkonfessionellen "Bibellesestunden". Heute läßt sich George W. Bush, der seine Politik gerne in den Zusammenhang zur christlichen Eschatologie rückt, morgendlich von chiliastischen Pfarrern briefen, bevor er das Oval Office betritt. Doch auch abends, nach Feierabend, erscheint der fromme Präsident hin und wieder zur Tempelarbeit: Wobei es hier weniger Pfarrer als vielmehr Logenbrüder sind, die der Politik der einzigen Supermacht den letzten Schliff zu geben suchen...

 

Quelle: www.chronos-medien.de/neuigkeiten2.html (vom 25.3.2005 / S. 6 f)