Walter Lüftl

Österreichs Ingenieurs-Präsident zieht Konsequenz

Rücktritt nach Zweifel am Holocaust

Lüftl nannte Massenvernichtung der Juden „technisch unmöglich“

 

Wien (AP) - Nach einer Welle der Empörung über seine Äußerungen zur Ermor­dung von Millionen Juden während des Nationalsozialismus ist der Präsident der
österreichischen Ingenieurskammer, Walter Lüftl, zurückgetreten. In einer am Freitag in Wien veröffentlichten Erklärung Lüftls hieß es, die Greueltaten der Nazis seien zu verurteilen, bedürften aber auch des bisher ausstehenden naturwissenschaftlichen Beweises. Lüftl hatte in einem auszugsweise bekanntgewordenen Gutachten die Massenvernichtung in Auschwitz und Mauthausen als "technisch unmöglich" bezeichnet.

Der Fall Lüftl löste allgemein Unruhe aus. Die Bundesingenieurkammer trat zu einer Krisensitzung zusammen. Die Generalsekretärin der konservativen Regierungspartei ÖVP, Ingrid Korosec, zeigte sich zutiefst beunruhigt über das Bild Österreichs im Ausland, das immer wieder durch den falschen Eindruck von unterschwelligen neonazistischen Aktivitäten beeinträchtigt werde.

Der 59jährige Lüftl, Gerichtssachverstän­diger und Leiter einer Wiener Ingenieur­firma, hat in dem Papier "Holocaust - Glaube und Fakten" geschrieben, der Mas­senmord mit dem Giftgas Zyklon B könne "nicht stattgefunden haben, dagegen spre­chen ebenso die Naturgesetze und das Feh­len der technischen und organisatorischen Voraussetzungen. Daß die Krematorien die Menge der Opfer nicht bewältigen konn­ten, ist als bautechnisch gesichert zu unter­stellen. Leichen sind kein Brennstoff, ihre Verbrennung erfordert viel Zeit und Ener­gie". Außerdem bezeichnete er die Ermor­dung von Juden mit Dieselauspuffgasen als "schiere Unmöglichkeit".

 

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 14./15. März 1992 / Seite 8