Fetisch Holocaust

 

Wenn es ihn nicht gegeben hätte, müßte man ihn glatt erfinden: den Holocaust. Die Gegenwart ist undenkbar ohne ihn, die Medien, die Öffentlichkeit profitieren von ihm. Der Holocaust füllt die Seiten der Zeitungen und Journale, er füllt endlose Sendeminuten in Hörfunk und Fernsehen und Kino, er bietet stundenlangen Gesprächsrunden erhitzenden Diskussionsstoff, er erfüllt bedürftige Seelen mit gehobener Stimmung, erfüllt, nicht zuletzt, die Kassen von Produzenten, Regisseuren, Schauspielern, Journalisten, Autoren und vieler anderer.

 

Der Holocaust ist eine Notwendigkeit geworden. Die Kultur der Gegenwart findet in ihm ihren wichtigsten Gegenstand, die Politik ihren wichtigsten Wertmaßstab. Alles ist Holocaust: der neue Bestseller auf der Spiegel‑Liste und das Ozonloch, der Oscar­gekrönte Spielfilm und das Waldsterben, die Hühnerfarmen (Hühner­-KZ) und das Leid der Palästinenser, die Gedenkfeiern und die »ethnischen Säuberungen« im ehemaligen Jugoslawien, historisch-­wissenschaftliche Untersuchungen und die Tierversuche. Wie langweilig wäre es in unserer Gesellschaft, wenn es den Holocaust nicht gegeben hätte. Wie schwer würden sich Literatur und Theater, Musik und bildende Kunst tun, ein ebenso pompöses, gewaltiges, einmaliges Sujet zu finden, an dem sie sich reiben und anstacheln, sich messen und scheitern könnten.

 


Und was wäre die Politik ohne den Holocaust: Ethische Grundsatzdebatten entbehrten jeglichen gemeinsamen Nenners, Kriege ließen sich nicht mehr verharmlosen oder verdammen, wenn sie »weniger grausam« als der Holocaust, wenn sie genauso grausam wie der Holocaust sind.

 

Wir müssen also eigentlich den Nazis danken, wir müssen insbesondere den 6 Millionen Juden danken, daß sie sich ermorden ließen. Was täten wir ohne sie? Wo wären wir heute mit unserer Kultur? Wohin sollten wir unsere Energien lenken, wenn nicht auf den Holocaust?

 

Ohne den Holocaust wäre es so verdammt langweilig im heutigen Deutschland. Ohne den Holocaust wäre dieses Land einfach nur dröge und uninteressant. Daß dem nicht so ist ‑ daß es in Deutschland immer wieder zu heftigen Erregungen in der Öffentlichkeit kommt, zu Kontroversen und Auseinandersetzungen, die den Adrenalinhaushalt so richtig in Wallung und zum Kochen bringen ‑, das verdankt die Bundesrepublik dem Holocaust. »There is no business like Shoah‑business.«

 

Ja, er ist einzigartig und einmalig. Und wir alle können froh sein, daß er stattgefunden hat. Sonst müßten wir ihn heute erfinden und durchführen, sonst müßten wir uns diesen Fetisch erst erschaffen, den wir so hingebungsvoll anbe­ten, der uns anmacht, der uns heiß macht und gierig, hektisch und heftig, leidenschaftlich und wahnsinnig, der uns einen Rausch beschert, aus dem wir niemals erwachen wollen.

 

Quelle: "Fetisch Holocaust. Die Judenvernichtung verdrängt und vermarktet" von Richard Chaim Schneider, München 1997, S. 9 f

 

Anmerkung: Bevor Fritjof Meyer in seinem bahnbrechenden Aufsatz in der Zeitschrift "Osteuropa" - und nicht im SPIEGEL, der ihn beschäftigt - nachwies, daß die Opferzahl für Auschwitz weder mit 4 Millionen, noch mit 1,5 Millionen angenommen werden könne, sondern unter der Prämisse maximaler Ausnutzung der Krematorien mit höchstens 510.000, hatte RA Horst Mahler bezüglich der Holocaust-Debatte empfohlen, den Gegner nicht dort anzugreifen, wo er die stärksten Bastionen habe. Nach Meyers Aufsatz ist auch er zu einem leidenschaftlichen Revisionisten des Holocaust geworden. Nach wie vor möchte der Kulturredakteur von "luebeck-kunterbunt" - ohne die Ungeheuerlichkeit der Judenverfolgung auch nur im geringsten zu relativieren - die Aufmerksamkeit auf zwei andere - viel wichtiger erscheinende - Fragenkompexe lenken, nämlich erstens, wer waren die Strippenzieher der Schoah und zweitens, wieviele Deutsche wußten was von der Judenvernichtung, also nicht nur von der Judendeportation in den Osten. Dazu findet der geneigte Leser verblüffendes Material auf dieser Weltnetzseite, was solchen Scharlatanen und Auftragsschreibern wie Daniel Goldhagen die Schamröte in das Gesicht treiben sollte.