Jud Süß  -  Joseph Süß-Oppenheimer

 

Süß Oppenheimer, Joseph, berüchtigter württembergischer Finanzminister, ein Jude, geboren 1692 in Heidelberg, widmete sich dem Handelsstand und trat 1732 durch verschiedene Geldgeschäfte mit dem Herzog Karl Alexander von Württemberg in Verbindung, der ihm zuerst die Direktion des Münzwesens übertrug und ihn endlich zum Geheimen Finanzrat und Kabinettsminister erhob. Als solcher besetzte Süß alle Stellen mit seinen Kreaturen, ließ elf Millionen Gulden falsches Geld prä­gen, errichtete ein Salz‑, Wein‑ und Tabakmonopol, verkaufte um große Sum­men Privilegien, zog eine große Menge Juden ins Land und drückte das Volk mit Abgaben aller Art. Durch dieses alles zog er den allgemeinen Haß auf sich, und nach dem Tode Herzog Karls (12. März 1737) wurde er verhaftet, vor ein Gericht gestellt und als Staatsverbrecher in seinem Staatsgewand am 4. Februar 1738 in einem besonderen Käfig aufgehängt.

 

Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 1897, 16. Band, S. 595



 

Süß‑Oppenheimer, Joseph, genannt Jud Süß, geb. Heidelberg 1692, gest. (durch den Strang hingerichtet) Stuttgart 4.2.1738, erschloß dem geldbedürftigen Herzog Karl Alexander von Württemberg, der ihn u. a. zum Geheimen Finanz‑ und Staatsrat ernannt hatte, durch Münzmanipulationen und Verkauf von Ämtern, Titeln und Privilegien stets neue Geldquellen. Die Beamtenschaft und die Landstände zwangen dem Herzog kurz vor seinem Tode den Haftbefehl gegen Süß-Oppenheimer ab, der in einem anfechtbaren Verfahren zum Tode verurteilt wurde.

 

Quelle: DER NEUE BROCKHAUS, 1960



 

(...) Am 12. März 1737 hat Herzog Karl Alexander von Württemberg eine heftige Auseinandersetzung mit seinem Geheimen Finanzrat Süß Oppenheim. Dabei erleidet er einen Herzinfarkt. Das Volk haßt beide, sowohl den Herzog wie seinen Hofjuden, den es nur Jud Süß nennt. Süß Oppenheim wußte die leidenschaftlichen Triebe dieses brutalen Fürsten rücksichtslos für sich auszunutzen. Er ließ sich von ihm zum alleinigen Lotteriepächter Württembergs ernennen, ließ sich das Monopol auf den Besitz von Kaffeehäusern zuschreiben und reservierte sich auch das Monopol auf alle sonstigen Glücksspiele im Land. Salz, Leder, Wein und Tabak ließ er zu Staatsmonopolen erklären, wodurch sich seine Machtstellung gegenüber den Ständen erheblich verstärkte. Er gründete eine Bank, eine Porzellan‑ und Seidenmanufaktur und bereicherte sich auf schamlose Weise, während das Volk Not litt. Es haßt ihn darum noch mehr als den toten Herzog. Um einen Aufstand zu verhüten, lassen die Behörden Jud Süß gefangen nehmen und vor Gericht stellen. Er wird des Hochverrats für schuldig befunden und zum Tode durch den Strang verurteilt. Unbestreitbar kam es bei diesem Prozeß zu Formfehlern; doch das ist bis auf den heutigen Tag bei politischen Prozessen üblich. Ein Formfehler anderer Art ist es, wenn jüdische Schriftsteller diese Strafsache ohne ein Wort des Tadels gegen Süß Oppenheim behandeln, Kayserling meint gar, Josef Süß Oppenheim habe die treuen Dienste, die er als Finanzmann dem leichtsinnigen Herzog Karl Alexander von Württemberg leistete, mit dem Tod bezahlen müssen. Treue Dienste sind uneigennützige Dienste; wer nur einem unsittlichen Herrscher dient, um sich desto leichter bereichern zu können, hat keinen Anspruch, für treu zu gelten. (...)

 

Quelle: "Die Wahrheit kann nicht schaden. Die Geschichte des Antisemitismus" von Gerd Schmalbrock, Gladbeck 1981, S. 100 f